Die NRW-Rauch-Eckkneipe wird’s nicht geben

By Johannes Hansknecht

In den vergangenen Wochen und Monaten zeichnete sich die Geburt einer neuen Kategorie Gaststätte ab, in denen auch künftig das Rauchen erlaubt bleiben sollte: Die NRW-Rauch-Eckkneipe. Drüben im Blog von Mathias in der Weide auch „Einraumgaststätten“ genannt.

Es war nur eine Scheinschwangerschaft, denn eine solche Ausnahme wird es nicht geben, wenn die Ankündigung von Landesminster Laumann in dieser Form Gesetz wird. Leider ist noch kein Entwurf im Netz zu finden.

Geraucht wird ab sofort, nein, ab 1.1.2008 also in Gaststätten nicht mehr. Ausnahme: In abgetrennten Raucherräumen darf weiterhin geraucht werden. Diese dürfen aber nicht mehr Fläche einnehmen als der Nichtraucherbereich.

Realitätsfremd ist die Einlassung des Chefs der FDP-Fraktion im Landtag NRW, Gerhard Papke. Der Name war bis gerade auch noch nicht geläufig. Er meint, daß Wirte nun „völlig unbürokratisch“ einen Raucherraum einrichten könnten, indem sie „einfach eine Trennwand einziehen“. Unbürokratisch mag das in dem Sinne sein, daß es jedem Wirt erlaubt sein wird, einen Raucherraum einzurichten. Nur ist das wirklich so einfach? In ganz praktischer Hinsicht? Einfach mal ‘ne Trennwand irgendwie in den Kneipenraum wuchten und gut ist?

Mir fallen da auf Anhieb einige Lokalitäten ein, die nicht ohne weiteres einen Raucherraum einrichten könnten, weil der Zuschnitt der Kneipe das nicht hergibt.

Das ist das Problem der Wirte, könnte man sagen. In der Tat.

Laumann betonte weiterhin, daß es Bundessache sei, Regelungen für die Kellner zu finden, die in Raucherräumen bedienen sollten.

Aha. Erläßt der Bund also eine arbeitsschutzrechtliche Bestimmung, wonach z.B. angestellte Kellner nicht mehr bestimmten Luftbelastungen infolge des Rauchens ausgesetzt werden dürfen, dann gibt es zwar Raucherräume, aber ohne Bedienung. Dann steht vielleicht ‘ne Kiste Bier zum Selberbedienen in der Ecke. Oder der Chef muß ran. Fein. Künftig hocken die Raucher zwar in stinkigen Separées, dafür aber vielleicht mit Chefbedienung. Das entschädigt doch ein bißchen.
Offen ist anscheinend noch, ob in Biergärten geraucht werden darf. Unter freiem Himmel herrscht weiterhin Versammlungs- und Rauchfreiheit?

So wie auch weiterhin in Festzelten, auf Volksfesten sowie bei Familienfeiern und anderen geschlossenen Gesellschaften in abgetrennten Sälen geraucht werden darf, wenn der Gastgeber es erlaubt.

Aber was ist, wenn ein Gastwirt, aus welchem Anlaß auch immer, sein gesamtes Lokal einer geschlossenen Gesellschaft überläßt? Zum Beispiel: Länderspiel-Abend, Zutritt haben nur bestimmte Gäste. Darf dann wieder im gesamten Lokal geraucht werden? Vielleicht gründet der eine oder andere Kneipier einen Raucher-Club und erklärt seine Gaststätte zum Clubheim.

Ob die Gastwirte dadurch dauerhafte finanzielle Einbußen erleiden werden, daß künftig Raucher mehr zu Hause bleiben? Vermag ich nicht zu sagen.

Soziologisch gesehen trifft es (wie üblich) die, auf die am liebsten drauf gehauen wird: auf die armen Schweine, die im Leben nicht viel auf die Reihe bekommen oder bekommen haben und abends ihren kleinen Trost bei Pils und Zigarette in ihrem Stammlokal suchen. Die dürfen dann, während das neue Pils gezapft wird, vor die Tür. Ob jeder Wirt künftig zum Feierabend hin brav die Kippen vom Bürgersteig fegt? Oder regelmäßig die künftig auf Bürgersteigen rumstehenden Aschenbecher reinigt?

Die Tabak-Industrie wird keine Einbußen erleiden. Es gibt schon Pläne für kürzere Zigaretten, die man schneller rauchen kann. Dafür kommt dann wahrscheinlich was mehr Teer, Nikotin und Kohlenmonoxid in die Fluppen. Die wissen, wie man seine Süchtigen Kunden bei der Stange oder beim Glimmstengel hält.

Aus anwaltlicher Sicht ist es schließlich ein wenig traurig, daß es nicht eine windelweiche Definition der NRW-Eckkneipe gegeben hat, da hätte man herrliche Prozesse drum führen können.

Eine Antwort zu „Die NRW-Rauch-Eckkneipe wird’s nicht geben“

  1. martin sagt:

    „Arme Schweine“ ja, aber ist es wirklich wenig hilfreich das man eben genau diesen Schweinen noch in den Kneipen das Geld aus den Taschen zieht in dem man ihnen in den Lokalen ständig Ascher vorsetzt sodann sie dann stetig qualmen (um somit weniger Geld für das Bier, Essen, Miete etc. haben)?

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